Zur Andau – Die Kultschänke in Mainz.

Mit über 170 Jahren auf dem Buckel ist es längst an der Zeit, einige der angesammelten Memoiren niederzuschreiben, denn viele meiner Erinnerungen sind allmählich am Verblassen. Auf den ersten Blick mag ich bestimmt wie ein knorriger Kauz wirken, doch kam ich einst als fesches Mainzer Winzermädchen daher. Ich will Euch erzählen, wie es sich zugetragen hat:

Was einmal war…

1844 bereicherte ich die Gaugasse als gemütliche Weinstube, doch ging es mir kurz nach meinem hundersten Geburtstag bei einem Bombenangriff an den vergilbten Kragen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die entscheidende Wende, denn aus dem Trümmerhaufen wurde eine zünftige Bierschänke.

Ach, die Sache mit dem Namen bleibt noch zu erklären!
Mein Taufname bedeutet Kanalisation, Gully oder Senkloch, weil sich sämtliche Abwässer gurgelnd im Eingangsbereich in die Umwelt ergießen.

Die letzte Bitzapfstelle vor Chagall ist eine liebenswerte, schrullige Diva mit dem Blick auf Schillerplatz, Osteiner Hof und gen Dom.
Schickst Du Freunde zu mir, so gib ihnen folgendes mit auf den Weg:

„Die Andau habt ihr schnell gefunne, vis-à-vis vom Fassenachtsbrunne!“

Kurz nach meinem hundertsten Geburtstag ging es mir an den ausgefransten Kragen. Bei einem Bombenangriff  zerfiel ich prompt in einen Trümmerhaufen, um mich in den Fünfzigern wie ein zerrupfter Phönix aus der Asche aufzurappeln – dieses Mal jedoch als zünftige Bierschänke.

…was heute ist

Wie bitte? Du weißt nicht, wer ich bin?
Ich bin Kult!

Seit 1977 bin ich nämlich Spezialausschank und zugleich Vorzeigeobjekt der Bitburger Brauerei, quasi die unumstrittene Herrin über das perlende Eifelbräu. Mit meinen 170 Lenzen wirke ich schon etwas klapprig und auch pflegebedürftig, doch glücklicherweise hält mich seit mehr als drei Jahrzehnten Burkhard Geibel-Emden gut in Schuss.
Alle Altersgruppen sind meiner magnetischen Anziehungskraft verfallen, was ganz bestimmt mit meinem Outfit einer Wohnzimmeratmosphäre zu tun hat. Bei gut gezapften Bieren, erlesenen Weinen und köstlichen Appetithappen ist schon mancheine(r) wider Erwarten versumpft.

Von wilden Zechgelagen könnte ich berichten, doch überlasse ich das Gebabbel meinen mir treu ergenenen Stammgästen.
Wie es allerdings zu meinem Kultstatus kam, möchte ich Dir nicht vorenthalten…

“Die Andau habt Ihr schnell gefunne, vis-à-vis vom Fassenachtsbrunne!”

Wir freuen uns auf Euch!